
Was Haltung für mich bedeutet.
Wenn ich heute über Haltung spreche, dann nicht aus der Theorie.
Sondern aus Erfahrung.
2024 war ein Jahr, in dem ich im beruflichen Kontext mit Machtmissbrauch, sexueller Belästigung und letztlich auch mit Vergewaltigung konfrontiert wurde.
Das Schweigen brechen
Ich habe damals Zeit gebraucht, um zu verstehen, was eigentlich passiert ist – und noch mehr Zeit, um zu begreifen, wie entscheidend es ist, zu reagieren. Mein erster Instinkt war Schweigen. Nicht aus Schwäche, sondern aus Überforderung, aus Unsicherheit, aus dem Versuch heraus, irgendwie weiter zu funktionieren.
Als ich dann begonnen habe zu sprechen, bin ich an Grenzen gestoßen, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Die Menschen und Strukturen, denen ich mich anvertraut habe, haben nicht so reagiert, wie man es sich erhofft oder erwarten dürfte. Statt Schutz und Klarheit entstand Unsicherheit. Statt Unterstützung Dynamiken, die mich ungewollt in eine Rolle gedrängt haben, die mir im Nachhinein geschadet hat.
Ich wurde nicht wirklich gehört. Dinge wurden relativiert, eingeordnet, verschoben. Und irgendwann spürt man sehr deutlich, was das mit einem macht.
Heute spreche ich darüber, weil ich verstanden habe, dass genau hier ein Teil des Problems liegt. Nicht nur in den Taten selbst – sondern im Umgang damit.
Mit dem, was ich erlebt habe, möchte ich aufklären. Ich möchte sichtbar machen, wo Systeme nicht greifen, wo Verantwortung verwischt wird und wo Menschen Unterstützung brauchen – und sie nicht bekommen.
Und ich möchte dafür werben, andere Wege zu gehen. Klarer. Mutiger. Und vor allem: mit echter Haltung.
Ich habe erlebt, wie Grenzen verschoben werden. Wie man beginnt, Dinge zu relativieren, die sich eigentlich nicht richtig anfühlen. Und wie schnell man die eigene Wahrnehmung hinterfragt, wenn das Umfeld schweigt oder beschwichtigt.
Haltung beginnt für mich genau dort, wo man damit aufhört. Wo man sich selbst wieder ernst nimmt, und den Mut findet, Dinge klar zu benennen... auch dann, wenn es unbequem ist.
Das Erlebte hat meinen Blick verändert.
Nicht nur auf einzelne Menschen, sondern vor allem auch auf die Systeme, in denen wir arbeiten.
Auf Strukturen, die eigentlich schützen sollten, es aber oft nicht tun.
Ich habe im Umgang mit meinem damaligen Vorgesetzten und im weiteren beruflichen Umfeld erfahren, wie schwierig es sein kann, sich in solchen Situationen zu behaupten. Und wie schnell Verantwortung unklar wird, wenn Macht im Spiel ist.
Was mich heute antreibt, ist deshalb nicht nur meine eigene Geschichte, sondern die Frage, wie wir es besser machen können.
Wie wir Strukturen schaffen, die nicht nur auf dem Papier funktionieren.
Und wie wir Menschen stärken, die den Mut haben, etwas auszusprechen.
Compliance für Unternehmen & Hilfe für Betroffene
Das ist der Grund, weshalb ich mich entschieden habe, diesen Themen Raum zu geben.
Unter Compliance verstehen geht es darum, wie Unternehmen Verantwortung übernehmen können und wo Systeme heute oft noch Lücken haben.
Unter Hilfe für Betroffene finden sich Hinweise, Anlaufstellen und erste Orientierung für Menschen, die selbst betroffen sind.
Und auf meinem Blog schreibe ich persönlicher.
Dort geht es um das, was zwischen den Strukturen passiert: um Zweifel, Dynamiken und die Frage, wie man die eigene Stimme wiederfindet.
