Die Saftladen-Affäre: Warum ich spreche – und warum Schweigen keine Option ist
- Juliane Götze

- 20. Aug. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Am 22. August erscheint im Manager Magazin ein großer Artikel über meinen ehemaligen Arbeitgeber. Die Überschrift „Der Saftladen“ verweist auf eine tiefgreifende Krise: sinkende Umsätze, Streit im Aufsichtsrat, interner Machtkampf. Und auch meine Geschichte wird dort erwähnt – als Teil einer „Affäre“, die das Unternehmen beschäftigt.

Ich habe Respekt vor der journalistischen Arbeit. Aber wer nur diesen Artikel liest, könnte den Eindruck gewinnen, ich sei ein Randaspekt im Strudel einer Firmenkrise. Dabei geht es in Wahrheit um viel mehr. Es geht um Strukturen, um Verantwortung – und um die Frage, wie Unternehmen mit Gewaltvorwürfen, Machtmissbrauch und Opfern umgehen.
Warum ich spreche
Viele Menschen, oder auch ehemalige KollegInnen, fragen sich vielleicht: Warum erhebt sie überhaupt ihre Stimme? Warum jetzt, warum öffentlich?
Die Antwort ist einfach – und schwer zugleich. Ich spreche, weil Schweigen bedeutet hätte: weitermachen wie bisher. Schweigen hätte bedeutet, dass Täter geschützt und Opfer zum Problem gemacht werden. Schweigen hätte bedeutet, dass ich selbst zum Teil eines Systems werde, das mir so viel genommen hat.
Ich habe lange gebraucht, um diesen Schritt zu gehen. Ich hätte mich auch in die Stille zurückziehen können. Aber dann hätte ich mit angesehen, wie die Geschichte einseitig erzählt wird – von denen, die alles daransetzen, Zweifel zu säen und mich unglaubwürdig zu machen.
Was im Artikel fehlt
Im Artikel wirkt es so, als gäbe es zwei gleichwertige Sichtweisen. Das klingt fair – ist es aber nicht.
Um es klarzustellen: Ich habe niemals sexualisierte Nachrichten an meinen ehemaligen Vorgesetzten geschickt. Die WhatsApp-Screenshots, die Eckes in Klageschriften gegen mich ins Feld führt, stammen aus einer internen Compliance-Untersuchung. Mein damaliger Chef hat Screenshots an das Unternehmen weitergegeben, die später der Eckes-Anwalt im arbeitsgerichtlichen Verfahren gegen mich verwenden wollte. Diese Nachrichten waren aus dem Kontext gerissen und zeigten ein unvollständiges Bild.
Ich war damals in einem Zustand, den Psychologen als Fawning bezeichnen – ein Anpassungsmechanismus, mit dem Opfer versuchen, in einer bedrohlichen oder übergriffigen Situation „zu gefallen“, um Schlimmeres zu vermeiden.
Das ist keine „Affäre“. Es ist ein bekanntes Muster im Kontext von Machtmissbrauch. Wer das nicht versteht, versteht auch nicht, wie Betroffene funktionieren – und warum es so schwer ist, den Kreislauf aus Schuld und Schweigen zu durchbrechen.
Warum meine Stimme kaum hörbar war
Auch Medien stoßen bei solchen Recherchen an Grenzen. In Redaktionen gilt: Wenn Aussage gegen Aussage steht, müssen beide Seiten dargestellt werden. Juristische Abteilungen prüfen jedes Detail. Namen dürfen oft nicht genannt, Verdachtsmomente ohne eindeutige Belege nicht veröffentlicht werden. So fallen viele Aspekte unter den Tisch, die für ein vollständiges Bild wichtig wären.
Im Hintergrund wurde mir gespiegelt: „Wir glauben Ihnen, sonst hätten wir die Geschichte nicht gemacht. Aber wir sind verpflichtet, die Gegenseite einzubeziehen und rechtlich sauber zu arbeiten. Deshalb sind manche Details am Ende herausgefallen.“
Das ist der Rahmen, in dem journalistische Arbeit stattfindet. Und er erklärt, warum meine Sicht in der Printausgabe noch nicht ausführlich vorkommt. Ein Interview mit mir soll deshalb zeitnah online folgen – verlinkt mit dem Artikel.
Worum es wirklich geht
Meine Geschichte steht beispielhaft für ein größeres Problem: den strukturellen Umgang von Unternehmen mit Hinweisen auf Gewalt und Fehlverhalten.
Wie wird reagiert, wenn eine Frau sexuelle Belästigung oder Gewalt anspricht?
Wer schützt Hinweisgeber?
Und wie oft werden Vorwürfe relativiert, verschleiert oder ins Gegenteil verkehrt?

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